Politische Kommunikation im Social Web - Sechste Etappe
Spiel doch wo Du wohnst
Für beide Seiten ist eine gänzlich neue Situation, auf die es sich nun einzustellen gilt. Die Bürger müssen verstehen, dass ihnen der Spielplatz zwar nicht gehört, auf dem getobt wird. Aber sie waren zuerst da und haben gewissermaßen Gewohnheitsrecht, d.h. sie können die Spielregeln bestimmen und auch entscheiden, mit wem sie spielen wollen. Social Networks sind keine genuin politischen Plattformen. Dort wird auch, aber nicht ausschließlich über Politik gesprochen. Ein Politiker, der einer dieser Plattformen beitritt, muss sich darüber bewusst sein, dass die Menschen erwarten, dass er sich dort auch, aber nicht nur als Politiker präsentiert. Die Menschen in der Community haben ein feines Gespür dafür, ob jemand ihre Plattform nur als Treppenhaus benutzt, um ein paar Handzettel der Partei loszuwerden oder ob er tatsächlich Interesse an einem kommunikativen Austausch hat. Die Bürger müssen aber auch ihre Scheu ablegen und die Möglichkeiten nutzen, die ihnen das Web bietet. Im Zweifelsfall müssen sie selbst die Bürgerferne der Politiker durch einen Schritt auf sie zu verkürzen und sich Gehör verschaffen. Es wäre wohl naiv auf jede Frage eine Antwort zu erwarten. Aber die Tage in denen Politiker twittern ließen, sind definitiv gezählt.
Die Politiker wiederum müssen lernen zu fragen, ob sie mitspielen dürfen und akzeptieren, dass die Bürger entscheiden, was und wie gespielt wird. Sie sind es normalerweise gewohnt druckreife Sprechblasen abzusondern und sich damit einen Weg in die Medien zu bahnen. Aber so funktioniert das Web nicht. Politiker, die im Web erfolgreich kommunizieren möchten, müssen ein Gespür für die Umgangsformen und Gepflogenheiten der jeweilgen Community entwickeln.
Wer wissen will, wie es geht, schreibt Rubrecht Polenz einfach eine Facebook-Mail, denn wer Rubrecht Polenz anschreibt, erhält Antwort von Rubrecht Polenz und nicht von einem seiner Mitarbeiter. Man braucht nicht mal lange zu warten. “Ja. Mfg RP”, antwortete er nach 45 Minuten auf die Frage, ob er sein Facebook-Profil persönlich betreue. Schnell, kurz und unkompliziert. So muss das.